Überschuldung von Staaten

Welche Auswirkungen hat das für die Staatsbürger?

In den vergangenen Jahren ist die Schuldenlast in den meisten Staaten der Eurozone stark angestiegen.

Die europäische Staatsschuldenkrise verschärft sich zunehmend. Dieses wird erhebliche Auswirkungen auf alle Bürger in der Europäischen Union haben. Aber: Schuldenkrisen von Staaten hat es schon immer gegeben.

Vor diesem Hintergrund müssen wir uns ansehen, was in solchen Fällen passiert und hieraus unsere Handlungsmöglichkeiten herausfiltrieren.

Wenn Staaten in Schuldenkrisen geraten, dann bedeutet das für Bürger und Sparer dieser Länder: Man muss kräftig Federn lassen. Ein Blick in die Geschichte zeigt nämlich, dass sich überschuldete Staaten am Ende das Geld immer bei den Bürgern holen; hier einige Beispiele:

Anzahl der Pleiten-Umschuldungen seit 1800
Staatsschulden in der EU-Das Risiko Italien

Schuldenkrise: 1811 in Österreich:

Nachdem das Kaisertum den 5. Koalitionskrieg gegen Napoleon schließlich verloren hatte, folgte der Staatsbankrott des Landes. Man konnte zunächst noch das bestehende Geld mit einem Abschlag von 80 Prozent gegen neues Geld umtauschen (aus 100 Einheiten altes Geld wurden also 20 Einheiten neues Geld). Nur ein Jahr später wurde das alte Geld für ungültig erklärt. Diese Enteignung der eigenen Sparer war allerdings nicht besonders lange wirksam, denn bereits in 1816 folgte der nächste Staatsbankrott, weil durch eine massive Steigerung der Papiergeldmenge der Staat Papiergeld dann komplett wertlos machte.

Schuldenkrise: 1813 in Dänemark:

Das zu diesem Zeitpunkt wohlhabende Land litt als Verbündeter von Napoleon unter den finanziellen Belastungen der Kriege gegen England. Selbst massive Erhöhungen von Einkommensteuern konnten nicht helfen, das Staatsdefizit abzudecken. So musste der Staat gezwungenermaßen zu einer Währungsreform greifen, die zu einer Hyperinflation führte. Die Staatsschulden hatten das Papiergeld also wertlos gemacht.

Schuldenkrise: 1998 in Russland:  

Bekanntlich war nicht ideologischer Druck ursächlich für den Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion, sondern absoluter Geldmangel. Trotz Unterstützung des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit Hilfskrediten und Sparkursen stand am Ende eine massive Abwertung des Rubel mit allen Auswirkungen, die bei Krediten in fremden Währungen und Bank Runs in Erscheinung treten. Doch selbst wer das Ersparte noch vor der Insolvenz der Hausbank retten konnte, hatte angesichts der Abwertung des Rubel extreme Kaufkraftverluste zu tragen. Auch hier bezahlte die Bevölkerung mit den Ersparnissen für jahrzehntelange Misswirtschaft.

Schuldenkrise: Die 70iger und 80iger Jahre in Südamerika:

In den 60iger und 70iger Jahren hatten sich Länder wie Argentinien, Brasilien und Mexiko viel Geld bei ausländischen Gläubigern ausgeliehen. In der Folge boomte die Region und die ausländischen Gläubiger waren gerne bereit, Geld zu investieren. In den 70iger und in den 80iger Jahren geriet die Weltwirtschaft in eine länger andauernde Rezession, die in den besagten Ländern zu Liquiditätsengpässen führte. Als Ergebnis musste Mexiko in 1982 den offiziellen Staatbankrott erklären. Der Vertrauensverlust führte auch in den beiden anderen Ländern zu erheblichen Refinanzierungsproblemen, was zu schwachem Wachstums, starken Abwertungen der jeweiligen Währungen führte. Durch die folgende Inflation mussten auch in diesem Falle die Bürger die Zeche bezahlen.

Aber wir brauchen bei Schuldenkrisen gar nicht so in die Ferne schweifen.

Im 20. Jahrhundert hat es alleine in Deutschland zwei Schuldenkrisen/ Währungsreformen gegeben; und das ist gar nicht mal so besonders lange her. Wenn man einen Zeitraum von 90 Jahren als kurz ansieht.

Schuldenkrise: 1922 in Deutschland:

Deutschland war der große Verlierer des 1. Weltkrieges. Das Land wurde von den Siegermächten dazu gezwungen Reparationen zu leisten. Der kaputte und finanziell zu tiefst marode Staat sah keine anderen Möglichkeiten, als das benötigte Geld direkt beim Bürger, oder besser gesagt: Beim Sparer, zu holen. So wurde im Jahre 1922 eine Zwangsanleihe begeben. Diese Zwangsanleihe mussten alle Personen mit einem Vermögen von über 100.000 Mark zeichnen. Gezeichnet werden mussten zwischen 1 und 10 Prozent des jeweiligen Vermögens. Aufgrund der seit 1914 wütenden Hyperinflation in Deutschland  war das nichts anders als eine veritable kalte Enteignung von Sparern. Bis Ende 1923 waren durch die Hyperinflation praktisch alle Geldvermögen vernichtet.

Währungsreform in Deutschland (West) am 20. Juni 1948:  

Zu welchen Bedingungen und Konditionen nach dem 2. Weltkrieg diese letzte Währungsreform in Deutschland durchgeführte wurde, können Sie unten nachlesen.
Für die Besitzer von Giro-, Spar-, Festgeld-Einlagen sowie von Lebensversicherungen und Bausparverträgen, Pfandbriefen, Schuldverschreibungen, Kommunalschuldverschreibungen und sogar von mündelsicheren (Staats-) Anleihen blieben von 100 Reichsmark nur noch 6,5 DM. Damit wurden Geldvermögensbesitzer und viele Sparer weitestgehend enteignet und verloren fast alles (93,5 % des privaten Geldvermögens).

Und da zum damaligen Zeitpunkt die Staatsväter immer auf soziale Gerechtigkeit bedacht sein wollten, hat man sich noch etwas Besonderes einfallen lassen. Sie wollten Immobilienbesitzer nicht besonders bevorzugen, denn sie haben ja einen großen Vorteil gegenüber Papiergeldbesitzern: Sie besitzen ja einen realen Wert, der nicht einfach so zur Tilgung der Staatskasse herangezogen werden kann.

Doch der Staat wäre ja nicht der Staat, wenn er nicht im Laufe der Jahrhunderte gelernt hätte, wie man auch Immobilienbesitzer plündert und brandschatzt. Nämlich durch eine Zwangsabgabe für diese Immobilienbesitzer in Form einer Zwangshypothek, die über die folgenden Jahre hinweg von Immobilienbesitzern hatte abbezahlt werden müssen.

Dieses nur zur Erinnerung an alle diejenigen, die glauben mit dem Besitz einer Immobilie sei man von Zugriffen des Staates geschützt.

Wie Sie sehen, hat gerade der deutsche Staat eine lange Geschichte, wenn es darum geht sich über seine Bürger und Sparer zu sanieren. Wenn der Staat in einer Schuldenkrise ist, dann müssen Bürger, Sparer und Häuslebauer immer bluten.

Was diesmal aber neu ist in unserer Zeit:
Es stehen nicht nur deutsche Sparer für deutsche Schulden ein, und griechische, oder italienische Sparer für griechische oder italienische Schulden.

Nein: Heute stehen alle Eurozonen-Europäer für die Schulden anderer europäischer Staaten ein.

Dezember 2016   

Umstellungsgesetz-1-
Umstellungsgesetz -2-